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Schon seit einiger Zeit machen die systematischen Verfluchungsgebete, der Zwang und der terroristische Krieg, wie sie in den Gründungstexten des Islam vorgeschrieben, von den ersten Muslimen und danach von den Kalifen ausgedeutet und von Generationen von Exegeten und gleichgesinnten islamischen Juristen als legitim und löblich bestätigt werden, keine Siegestaktik mehr aus. Wie aber kommt man davon weg?

In der Geschichte bestanden die ersten Versuche darin, Dekrete der zeitlichen Macht (kânûn in der Türkei, karar in Ägypten, amr bey in Tunesien, dahir in Marokko usw. ) herauszugeben, welche bestimmte allzu problematisch Aspekte modifizierten. Andere Muslime versuchten es mit radikalen Reformen (Baha’i, Ahmadi), die bloss zu weiteren Spaltungen führten. Noch andere, wie Mahmud Mohammed Taha, haben mehr oder weniger elegante Wendungen für die Auffassung der göttlichen Offenbarung vorgeschlagen (und wurden getötet). Und zahlreiche Reformer begnügten sich mit ausholenden Reden ohne Aussagekraft. Die spektakulärste und über lange Zeit erfolgreiche Reform war die Aussperrung der Religion aus den Entscheidungsgremien, doch auch in der Türkei gibt die Religion jetzt wieder den Ton an. So drückt sich denn die mit Abstand geläufigste Methode, die heute praktiziert wird, im Abstreiten und in der Rechtfertigung aus: Nein, der Islam ist kein mittelalterlicher Krieg gegen den Unglauben, sondern eine Quelle der Spiritualität, ein Impuls zum Fortschritt, was er auch schon immer war! Und diejenigen, die dem widersprechen, sind die Unruhestifter.

Am gravierendsten ist und bleibt aber das Tun der muslimischen Verfechter: Menschen, die ihr Handeln nach den Gründungstexten des Islam ausrichten und das Verhalten des islamischen Propheten, seiner Gefährten und ihrer Nachfolger imitieren. Und dies dürfte sich in den kommenden Jahrzehnten parallel zur zunehmenden Alphabetisierung in der muslimischen Welt und der Praxis muslimischen Religion noch verschärfen, gestützt durch die (wahrscheinlich) letzte Welle des Bevölkerungswachstums vor der globalen Stabilisierung. Heute sind wir daran, den weltweit mächtigsten Aufruf zu Hass und Krieg in der bekannten Geschichte zur « Quelle der Weisheit » zu erheben und dies vor allem unter den Bevölkerungsschichten, die immer leichter dazu kommen, durch den ganzen Lügenschleier hindurch jene Botschaft herauszufiltern, die tatsächlich vom muslimischen Kult ausgeht. Daher auch die Ausbreitung jener mehr oder weniger terroristischen Gruppen, die von der muslimischen Bevölkerung weitgehend unterstützt werden. Die gewichtigste Unterstützung kommt aber indirekt von modernen Apologeten, ob muslimisch oder nicht, welche bewusst oder auch unbewusst die Wurzel des Problems promovieren.

Aus purem Sachzwang suchen Muslime die Wahrheit in den Texten hinter den salbungsvollen Reden und zwar viel häufiger als Nicht-Muslime dies tun. Wenn diese Situation für viele informierte Menschen im Westen, heute, wo Wahrheit und Fakten definitiv als «islamfeindlich» oder schlimmer taxiert werden, störend ist, ist sie dort, wo praktisch jede und jeder ein Muslim sein muss, katastrophal. Das Lob des Islam ist dort (ebenfalls) obligatorisch, aber der Anteil der Menschen, die sich dessen bewusst sind, ist höher und wächst an. Wenn jemand vom «Licht des Propheten» spricht (siehe Koran 42:52), ist zu erwarten, dass er weiß, dass der betreffende Licht-Träger die Aufgabe hat, Krieg gegen jeden zu führen, der keinen guten Islam praktiziert; wenn ein Anderer mit Leidenschaft von Fitrah spricht (siehe Koran 30:30), haben wir darunter zu verstehen, dass diese «grundlegende Natur», die Gott in jeden von uns gelegt haben soll, bedeutet, dass wir alle von Geburt an programmiert sind, die «Wahrheit» im Koran zu erkennen, und dass diejenigen, die dort etwas Anderes sehen, diese Wahrheit verbergen und daher im koranischen Sinn des Wortes Kuffar sind, nämlich Menschen, welche gemäss Befehl Allahs bis zum Tod zu bekämpfen sind. Im muslimischen Kontext darf also nicht davon ausgegangen werden, dass Religion als Zusage der guten universellen Übereinkunft verstanden wird. Eine grundsätzliche Vorsicht muss man walten lassen, um die schlimmsten Probleme zu vermeiden! Die Lüge ist von Dauer.

Gleichzeitig ist es aber so, dass sich eine wachsende Zahl von Menschen, besonders im Islam, der Situation bewusst ist und nach tragfähigen Lösungen sucht. Ich glaube, dass echte Fortschritte dann erzielt werden können, wenn hinreichend deutlich wird, dass die islamische Religion von Natur aus spezifische unüberwindbare Probleme aufweist und veraltet und verfallen ist. Sobald ein ausreichend starker Konsens unter den Menschen erreicht werden kann, die noch in der Lage sind, sich ehrlich auszudrücken, werden einfache und wirksame Maßnahmen ergriffen werden können, um die Ursprünge dieses toxischen Glaubens zu durchbrechen – im Informationszeitalter ist die Umsetzung kaum noch mehr als eine Formalität. Die Zukunft wird sich öffnen. Aber wann? Die beste Art und Weise, dies zu beschleunigen, liegt, so glaube ich, darin, jene Bestandteile zusammenzutragen und zu verbreiten, welche klar aufzeigen, dass die Ausübung der islamischen Religion im besten Fall zu nichts führt. Dies wären Statistiken, verifizierte und überprüfbare Faktenstudien, klare Vergleiche zwischen der Entwicklung mit und ohne Islam. Dazu braucht es mehr solche Arbeiten und vor allem ihre Bekanntmachung und allenfalls ihre Vulgarisierung.

Auf der andern Seite ist es zu vermeiden, dass wir auf zusätzlichen Ebenen in die jetzt klar überladene Debatte eingreifen. Halbmassnahmen (wie Schleierverbot, moralische Kritik, persönliche Urteile, Untersuchung der Gründungstexte), deren Hauptwirkung lediglich darin besteht, Nebenschauplätze des Streits zu schaffen und damit von den Ursachen des Problems abzulenken (von der ermüdenden Zensurproblematik ganz zu schweigen), müssen aufgegeben werden. Wenn wir die Muslime machen lassen ohne ihnen alle Peinlichkeiten zu ersparen, werden die Auswirkungen ihres Glaubens nur umso schneller offenbar und somit leichter zu isolieren sein. Es «genügt» zu beobachten und zu beschreiben, die Fakten sprechen zu lassen.