Quelle. Es ist eine relativ einfache Sache aufzuzeigen, was islamische Gelehrte über den Islam wissen. Man kann zum Beispiel alle Koranexegesen zu bestimmten Themen zusammentragen und übersetzen und davon ausgehen, dass die Interpretationen, über welche seit 1200 Jahren in allen Rechtsschulen Übereinstimmung herrscht, sämtlichen Imamen bekannt sind. Es zeigt sich somit, dass das islamische Standard-Gebet, das grundsätzlich (und bei Nichteinhalten in letzter Konsequenz mit Todesfolge) verpflichtend ist, als Fluch gegen alle Nicht-Muslime oder gegen alle Nicht-Schiiten/Sunniten, zumindest aber gegen Juden und Christen bezeichnet werden kann. Wir sehen auch, dass der Dschihad sehr wohl eine offensive Militäraktion und zudem von unbegrenzter Dauer ist, dass die Zakat sehr wohl dazu dient, nicht bloss Almosen zu verteilen, sondern ebenso diese Kriegsbestrebungen zu finanzieren und die Bekehrung und/oder das Wohlwollen nicht-muslimischer Führer zu „erkaufen“. Dass der Muslim zumindest befugt ist und oft auch dazu angeregt wird, im Unterlegenheitsfall über diese Aspekte zu lügen. Oder dass der Vollschleier (wie der Dschilbab oder Niqab) immer schon obligatorisch war und Ehen von vorpubertären Mädchen seit jeher völlig gesetzeskonform sind. All dies wissen sämtliche Imame ganz genau. Was aber ist mit den Durchschnitts-Muslimen?

Wir sollen glauben, viele Muslime seien beispielsweise der Meinung, der IS sei eine fremde Schöpfung (des Westens, von Israel, der USA usw.) und seine Mitglieder hätten nichts Muslimisches und würden den Islam weder praktizieren noch respektierten (hier sei nebenbei daran erinnert, dass al-Azhar sich immer noch aktiv weigert, sie als Häretiker zu bezeichnen). Aber was wissen die Durchschnitts-Muslime genau darüber? Wieso konsultiert man dazu nicht systematisch Schulbücher aus islamischen Ländern? Wenn dort eine friedliche und wohlwollende Haltung zu anderen als der islamischen Religion und ihres Propheten vorgefunden wird, kann man davon ausgehen, dass die Apologeten aufrichtig sind. Wenn man aber auf dieselben Interpretationen wie die der Exegesen trifft, werden wir uns weniger oft täuschen lassen und uns besser auf die kommenden Realitäten vorbereiten können.

Mehrere solcher Studien wurden bereits durchgeführt, aber noch nie konsequent und umfassend. Bisher handelte es sich um spezifische Erhebungen zu einem bestimmten Land oder einer bestimmten Situation. So wissen wir, dass die jüngsten Lehrbücher der Palästinensischen Autonomiebehörde die Schüler immer noch zum Martyrium anleiten und Israel, das nicht auf ihren Karten existiert, verteufeln. Wir wissen, dass junge Türken die Evolutionstheorie in der Schule nicht mehr unterrichtet bekommen werden, dass junge Araber eine sehr spezifische Sicht der Iraner pflegen und dass junge Iraner über ihre Schulbildung dazu programmiert werden, einen planetarischen Krieg auszulösen. Vor kurzem wurde berichtet, die saudischen Schulbücher würden derzeit ersetzt durch Ausgaben, die vom „Einfluss der Muslimbrüder“ bereinigt worden seien – affaire à suivre! Die Grundbildung der pakistanischen Jugend – von der verheerenden der Erziehung in den Madrassas des Landes reden wir gar nicht – hat sogar die katholische Kirche zu reagieren veranlasst, die ja sonst im mit Kritik am Islam äusserst zurückhaltend ist. In Indonesien ist, wie es aussieht, in Zehntausenden von Madrassas der Salafismus stark im Vormarsch.

Angesichts des Zustroms von Muslimen in westliche Länder sowie der voraussehbareren riesigen Immigrationswelle junger Menschen aus islamisierten Ländern mit überbordender demografischer Entwicklung wäre es klug, die Frage auszuleuchten, was von den Prinzipien unter Muslimen bekannt ist, welche ihre Existenz und ihre Haltung gegenüber Nicht-Muslimen, also gegenüber uns und unseren Kindern, leiten. Wer soll mit Sammeln, Sichten, Prüfen, Übersetzen und Analysieren der Literatur betraut werden, die die Haltung dieser neuen stark wachsenden Generation von Nachbarn uns gegenüber mitbestimmen wird? Und wann?